Resistenzen
Es gibt eine Vielzahl von Bakterien, die Resistenzen gegen eine unterschiedliche Anzahl von Antibiotikaklassen ausbilden können. Ist ein Bakterium gegenüber drei oder mehr Antibiotikaklassen resistent, spricht man von einem multiresistenten Bakterium. Nachfolgend sind die drei wichtigsten Erregergruppen beschrieben.

Multiresistente gramnegative Bakterien (MRGN)
Der Begriff MRGN ist eine Sammelbezeichnung für eine große Gruppe von Bakterien. Es wird dabei zwischen 3MRGN und 4MRGN unterschieden, also Bakterien, die gegenüber drei oder vier verschiedenen Antibiotikaklassen resistent sind. Wichtige Erreger dieser Gruppe sind die Enterobakterien Escherichia coli (E. coli ) und Klebsiella pneumoniae. E. coli sind Bakterien, die bei gesunden Menschen und Tieren natürlicherweise neben vielen anderen Bakterien im Darm vorkommen. Infektionen rufen sie nur unter bestimmten Voraussetzungen hervor. Deren Behandlung wird allerdings zunehmend durch das Auftreten von ESBL-bildenden E. coli erschwert. Durch die Bildung von Enzymen, den „Extended-Spektrum Beta-Laktamasen“ – kurz ESBL – sind diese Bakterien resistent gegen viele Beta-Laktam-Antibiotika.

Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)
Enterokokken kommen bei gesunden Menschen und Tieren natürlicherweise im Darm vor. Es handelt sich um zoonotische Bakterien, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können. Unter bestimmten Bedingungen wie beispielsweise bei einem geschwächten Immunsystem können sie allerdings bei Menschen und Tieren Infektionen hervorrufen. Insbesondere in der Humanmedizin treten Enterokokken-bedingte Infektionen häufig auf. Infolge der Ausbildung verschiedener Resistenzen wird die Behandlung von Enterokokken zunehmend erschwert. Das Antibiotikum Vancomycin gilt als letztes Mittel der Wahl zur Behandlung von multiresistenten Enterokokken bei Menschen. Deshalb wird das Auftreten von Infektionen mit VRE als besonders kritisch eingestuft.

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)
S. aureus ist einer der häufigsten fakultativ pathogenen Erreger, der Haut und Schleimhäute von Menschen besiedelt. Als Besiedler sind die Bakterien harmlos, aber sie können unter bestimmten Umständen wie einem geschwächten Immunsystem leichte bis schwere Infektionen auslösen. Durch die Aufnahme eines Resistenzgens werden S. aureus resistent gegen Beta-Laktam-Antibiotika. Man bezeichnet sie als MRSA. Zusätzlich sind MRSA auch häufig resistent gegenüber anderen Antibiotikaklassen. Dadurch werden im Falle einer Erkrankung die Therapieoptionen stark eingeschränkt.