Antibiotikaresistenzen & Monitoring

Weshalb benötigt man Monitoring-Programme?
Um einen Überblick über die Relevanz von Antibiotikaresistenzen in der Human- und Tiermedizin zu erhalten, sind Monitoring-Programme nötig. In diesen Programmen werden idealerweise kontinuierlich repräsentative Daten zum Vorkommen und zur Häufigkeit von Resistenzen gegenüber unterschiedlichen Wirkstoffen in Infektionserregern gesammelt und für die einzelnen Gesundheitsbereiche ausgewertet. Nur so ist es möglich nachzuvollziehen, ob im Laufe der Jahre bestimmte Resistenzen häufiger, seltener oder gleichbleibend häufig bei diesen Bakterien vorkommen. In Human- und Tiermedizin gibt es unterschiedliche Monitoring-Programme.

Monitoring-/Surveillance-Programme in der Humanmedizin
In der Humanmedizin steht seit 2007 am Robert Koch-Institut (RKI) das Überwachungssystem Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) zur Verfügung. Mithilfe von ARS ist es möglich, Resistenzdaten zentral zu erfassen und auszuwerten. ARS-Teilnehmer sind medizinisch-mikrobiologische Labore, die Proben von Patientinnen und Patienten aus medizinischen Einrichtungen und Arztpraxen auf Infektionserreger untersuchen. Dabei werden auch Resistenzdaten zu den jeweiligen Erregern erfasst. Zusätzlich gibt es in Krankenhäusern weitere Programme, wie beispielsweise das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System mit Modulen für Intensivstationen (ITS-KISS) und andere Stationen (STATIONS-KISS). Auch hierbei handelt es sich um Surveillance-Systeme. Das bedeutet, dass die Daten zu multiresistenten Erregern nicht nur erfasst werden wie bei klassischen Monitoring-Programmen, sondern darüber hinaus nach umfassender Auswertung auch den teilnehmenden Krankenhausstationen zur Verfügung gestellt werden. Auf Grundlage dieser Daten kann die teilnehmende Station einen entsprechenden Maßnahmenplan erstellen.

Antibiotikaresistenzen & Monitoring in der Tiermedizin
Im Bereich Tiermedizin erhebt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Rahmen des Nationalen Resistenzmonitoringtierpathogener Bakterien (GERMVet)[2] seit 2001 Daten zum Vorkommen und der Häufigkeit von Resistenzen bei bakteriellen Infektionserregern. Zusätzlich untersucht das nationale Referenzlabor des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) entlang der Lebensmittelkette vom Tier bis zum Fleisch Proben, um Informationen über das Vorkommen und die Häufigkeit von bakteriellen Zoonoseerregern zu erhalten. Bei Zoonoseerregern handelt es sich um Bakterien, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können. Auch hier liefern die Daten zusätzlich Informationen über Resistenzentwicklungen in den letzten Jahren. Darüber hinaus ermöglichen Monitoring- Programme, dass neue Resistenzen frühzeitig erkannt werden. Einige dieser erhobenen Daten aus Human- und Tiermedizin werden in dem Bericht über den Antibiotikaverbrauch und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Human- und Veterinärmedizin in Deutschland (GERMAP) veröffentlicht. Da der Bericht online frei zugänglich ist, kann sich jeder über die Resistenzlage von verschiedenen bakteriellen Infektionserregern in Deutschland informieren.[3] Im Bereich Tiermedizin werden Daten tiergruppenspezifisch ausgewertet und präsentiert. So ist es möglich, Informationen über spezifische Tiergruppen wie beispielsweise Schweine, Rinder oder Heimtiere (Hund und Katze) zu erhalten. Zusätzlich werden bei Nutztieren einzelne Produktionsstufen (z.B. Sauenhaltung und Mast) getrennt untersucht.



Anteil an E.coli mit Resistenz gegenüber 3. Generation-Caphalosporinen aus klinischen Isolaten bei Menschen

(häufig ESBL-bildende E.coli ), Deutschland [1]



Anteil an E.coli mit Resistenz gegenüber 3. Generation-Caphalosporinen von Durchfallgeschehen bei Schweinen

(häufig ESBL-bildende E.coli ), Deutschland [2]



1. Robert Koch-Institut, ARS, in 24.06.2016. ars.rki.de 2. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Germ-Vet. 2015. 3. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, P.-E.-G.f.C.e.V., Infektiologie Freiburg, GERMAP 2012 - Bericht über den Antibiotikaverbrauch und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Human- und Veterinärmedizin in Deutschland. 2014, Antiinfectives Intelligence: Rheinbach. p. 212.